DDR- Zeitzeugin am KuBa mit ihrer ganz persönlichen Geschichte

Das Zeitzeugengespräch der 10. Klassen fand am Dienstag, den 19. Mai 2026, statt. Zu Gast war Frau Schlegel, die in der DDR aufgewachsen ist und aus dem Land fliehen wollte, weil ihr ein Leben in Freiheit verwehrt wurde. Eindrücklich schilderte sie ihre persönlichen Erfahrungen mit dem DDR-Regime und der Staatssicherheit.

Schon als Kind fragte sie sich, warum sie Geschenke ihrer Verwandten aus der BRD nicht benutzen durfte. Für ihre Fragen wurde sie bestraft und zum Schweigen aufgefordert. Später begann sie eine Ausbildung zur Stewardess, da sie hoffte, auf diese Weise mehr Freiheit zu gewinnen. Aufgrund ihrer früheren „Auffälligkeiten“ erhielt sie jedoch keine Arbeitsstelle. Dieser Moment bestärkte sie endgültig in ihrem Entschluss, die DDR zu verlassen. Eine Flucht über die Grenze kam für sie, ihren Freund und ihr gemeinsames Kind nicht infrage, da das Risiko zu groß gewesen wäre. Deshalb stellten sie einen Ausreiseantrag – obwohl solche Anträge häufig abgelehnt wurden und die Antragsteller dadurch schnell als Staatsfeinde galten. Insgesamt achtmal versuchten Frau Schlegel und ihr Freund, die Genehmigung zur Ausreise zu erhalten. Erst nach vielen Ablehnungen wurde ihnen die Ausreise schließlich bewilligt.

Doch kurz bevor sie die DDR verlassen konnten, wurden sie nachts von der Stasi festgenommen und in ein Gefängnis gebracht. Dort musste Frau Schlegel unmenschliche Haftbedingungen ertragen, deren Folgen sie bis heute begleiten. Sie berichtete von stundenlangen Verhören, von Hunger, Demütigungen und körperlicher Misshandlung. Unter anderem musste sie stundenlang in eiskaltem Wasser stehen, erhielt verdorbenes Essen und wurde gezwungen, über lange Zeit regungslos an einer Wand zu stehen – ohne Nahrung und ohne die Möglichkeit, die Toilette zu benutzen. Besonders belastend war für sie die ständige Ungewissheit darüber, ob es ihrem Mann und ihrem Kind gut ging. Ihren Sohn hatte sie zuvor noch ihrer Mutter anvertrauen können.

Nach fünf Monaten und 24 Tagen Haft wurde Frau Schlegel schließlich von der BRD für 80.000 D-Mark freigekauft; später wurde auch ihr Mann freigelassen. Einige Zeit danach gelang es ihr, auch ihren Sohn aus der DDR zu holen.

Besonders bewegend war, wie offen und detailliert Frau Schlegel von ihren Erlebnissen erzählte. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie später in ihrem Buch „5 Monate und 24 Tage“, das aus nächtlichen Notizen entstand, die ihr beim Einschlafen halfen. Außerdem brachte sie Bilder aus dem Gefängnis sowie originale Handschellen mit, wodurch ihre Schilderungen noch greifbarer wurden.

Der Besuch von Frau Schlegel war für viele Schülerinnen und Schüler ein prägendes Erlebnis. Gerade die Geschichte der DDR ist bis heute ein wichtiger Teil der deutschen Vergangenheit, deren Auswirkungen sich noch immer in Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland zeigen.

Wir danken Frau Schlegel herzlich für ihren Besuch und ihren Mut, ihre persönlichen Erfahrungen mit uns zu teilen. Mit ihrem Zeitzeugnis leistet sie einen wertvollen Beitrag zur historischen Bildung und erinnert daran, wie wichtig Freiheit und Menschenrechte sind.

 Leon Kramer, 10. Klasse