Auf den Spuren von Ökologie und Solidarität in Danzig – die diesjährige Begegnung mit unserer polnischen Partnerschule

Wir schreiben den 10.1.2026: arktische Kälte hält Deutschland und den Osten Europas fest im Griff, Norddeutschland liegt unter einer geschlossenen Schneedecke, Eisregen und Schneeverwehungen machen Zugreisen nach Hamburg und Berlin zur wahren Odyssee und der deutsche Wetterdienst rät dazu, von nicht notwendigen Reisen Abstand zu nehmen.

Eine nicht ganz ideale Ausgangssituation für die 16 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen des KuBa, die sich in Begleitung der betreuenden Lehrer Georg Krautz und Stefan Kliemt auf die Reise nach Danzig machten, um dort mit Schülerinnen und Schülern unserer Partnerschule in Mlawa eine Woche zu verbringen, um dort im Rahmen von Erasmus+ an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten.

Am Montag begann dann unser gemeinsames Programm, das vor allem durch drei Themenfelder bestimmt war: gegenseitiges Kennenlernen, Solidarität und als ökologisches Thema der Aspekt: Müllvermeidung und Umgang mit Müll.

Das gegenseitige Kennenlernen erfolgte über diverse attraktive Aktionen, beispielsweise galt es, in jeweils anders zusammengesetzten deutsch-polnischen Gruppen mittels einer Stadtralley verschiedene Rätsel zu lösen. Die Fragebogen waren so angelegt, dass eine Zusammenarbeit dringend geboten und nötig war, denn sie waren in einem Sprachgemisch aus Deutsch, Englisch und Polnisch angefertigt. Wer sich nur auf sich selbst verlassen wollte, war verlassen, eine wunderbare Übung, die auch zeigte, dass Menschen mit Zusammenarbeit weiter kommen, als wenn sich jeder nur auf seine eigenen Fertigkeiten verlässt.

Schon früh wurde die Frage gestellt, warum wir anders als in den Jahren davor, nach Danzig fuhren und nicht eine Begegnung in Mlawa in den Familien und in unserer Partnerschule unternommen haben. Was hat Danzig, was Mlawa nicht auch bieten könnte? Ganz einfach: Danzig ist die Wiege der polnischen Solidarnosc-Bewegung. Auf dem Gelände der Danziger Werft entstand 2007 das Zentrum der europäischen Solidarität. Das Museum, das 2016 den Museumspreis des Europarates erhielt und in beeindruckender Weise die Geschichte der Solidarnosc-Bewegung sehr anschaulich darstellte, konnte einerseits einen wichtigen Teil der jüngsten polnischen Geschichte, der in deutschen Lehrplänen nicht vorkommt, aber für die Wiedervereinigung Deutschlands eine nicht unerhebliche Rolle spielte, den deutschen Schülerinnen und Schülern vermitteln. Die Rückmeldungen der Teilnehmer zeigte ein durchweg positives Bild dieses Museums. Kein Film, keine andere Art der Dokumentation hätte das Thema den Jugendlichen so nahebringen können. Andererseits machten wir das Thema Solidarität auch fruchtbar im Zusammenhang mit dem zweiten großen Themenblock, der uns nach Danzig führte: Das Thema Ökologie und die damit verbundene Verantwortung des einzelnen gegenüber der Natur, den Mitmenschen, den nachfolgenden Generationen. Themenfelder wie Solidarität zwischen Männern und Frauen im Hinblick auf eine geschlechtergerechte Entlohnung, Solidarität mit anderen Ländern (Ausbeutung, Leben in wirtschaftlicher Hinsicht auf wessen Kosten), Solidarität mit der Natur und der Tierwelt (Tierhaltung, Ausbeutung der Bodenschätze, Ökonomie versus Ökologie, Umgang mit Ressourcen, Vermeidung von Müll, Aufhalten des Klimawandels) schlossen sich in einer intensiven Gesprächsrunde an. Die engagierten und sich zum Teil empörenden Diskussionen zeigten eine Intensität, die wir wohl ohne eine Erfahrung dieses Museumsbesuches nicht erreicht hätten.

Und dann die Frage nach dem Müll – zugegeben kein – auf den ersten Blick – sehr schönes Thema, aber eines, das uns täglich überall begegnet. Seit der 5. Klasse zeigen Ordnungsdienste in den Klassen und auf dem Schulhof, dass unsere moderne Gesellschaft sich mit diesem Thema auseinandersetzen muss. Und das war der zweite Grund, weshalb wir die Zeit in Danzig verbringen wollten. 

In Danzig befindet sich das modernste Müllkraftwerk Europas (Clean Energy Port), das wir vor Ort besichtigen konnten. 2024 wurde dieses Müllkraftwerk eröffnet und hat sich zur Aufgabe gemacht, nicht einfach Müll zu verbrennen oder zu beseitigen, sondern den Abfall aus der Region zur Strom- und Wärmeerzeugung zu nutzen. Gezielte fortschrittliche Emissionskontrolle ist da von besonderem Interesse, weil man sich eine nachhaltige Energieversorgung auf die Fahnen geschrieben hat. Beeindruckt zeigten sich die Schülerinnen und Schüler, dass man sich in unseren Tagen achtsamer mit der Müllthematik beschäftigt und nicht riesige Müllhalden in siedlungsschwachen Gebieten anlegt. In Vorbereitung auf unsere Begegnung hatten sich die deutschen und polnischen Schülerinnen und Schüler über den herkömmlichen Umgang mit Müll im je eigenen Land beschäftigt. Müllvermeidung, Mülltrennung und ressourcenschonende Müllaufbereitung waren Themenfelder, zu denen sie gearbeitet und das jeweilige nationale System der anderen Gruppe in englischer Sprache vorgestellt haben. Nach dem Besuch von Clean Energy Port kam es zur regen Diskussion, ob ein solches Modell Pate für andere neu zu bauende Müllkraftwerke sein könnte bzw. wie ein achtsamer Umgang mit Ressourcen und das bewusste Vermeiden von Müll nachhaltig gestaltet werden könnte.

Am letzten Abend waren wir in Gdynia, einer kleinen Stadt in der Nähe von Danzig, zu einem verspäteten Neujahrskonzert eingeladen. Im ersten Teil des Abends wurde musikalisch durch Gesang und Tanz die Geschichte der Stadt Gdynia erzählt, selbst für uns deutsche Zuschauer verstehbar, denn Musik vermag ja jegliche Sprachbarrieren zu überspringen. Nach der Pause dann konnten wir einen Potpourri an tollen Musicalnummern genießen und fuhren beschwingt zurück nach Danzig.

Am Freitag dann hieß es Abschied nehmen; Tränen flossen, Versprechungen wurden gemacht, dass man in Kontakt bleiben bzw. sich in Münstermaifeld oder in Mlawa wiedersehen möchte.

Dankbar waren alle zum einen für die Förderung dieser Tour durch Erasmus+ zum anderen für die unbezahlbare Erfahrung der vielen Begegnungen mit Gleichaltrigen aus Polen.