Verdun – Erkunden eines Krieges, der Menschen wie Landschaften prägte

Vom 12. Mai auf den 13. Mai besuchte die Jahrgangsstufe 12 des Kurfürst-Balduin Gymnasiums Münstermaifeld das ehemalige Schlachtgebiet um Verdun in Frankreich.

Los ging es um 6:45 Uhr in Münstermaifeld. Mit zwei Reisebussen gelangte unsere Gruppe über Luxemburg in kürzester Zeit nach Verdun, wo wir unsere Führung mit einem Besuch im „Mémorial de Verdun“, dem Museum zur Schlacht von Verdun im Ersten Weltkrieg, begannen. Dort trafen wir auch erstmals auf zwei Mitarbeiter des „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“, Herrn Baus und Herrn Köppl, die uns durch die gesamte Reise führten. Das Museum ist dreisprachig und führt durch verschiedene technische und medizinische Errungenschaften, legt aber gleichzeitig einen starken Fokus auf die persönlichen Erlebnisse und Geschichten vieler Soldaten auf beiden Kriegsseiten.

Weitere Eindrücke des Konfliktes ließen sich bei der Betrachtung einer zerstörten Bunkeranlage und der Besichtigung des Nachbaus eines Schützengrabens sammeln. Dazu wurde auch erklärt, wie die Einnahme von Schützengräben umgesetzt wurde.

Anschließend besuchten wir das Dorf Fleury, eine von neun völlig zerstörten Gemeinden, die aufgrund der chemischen Kampfstoffe und Schwermetalle in den Bodenschichten nicht wieder aufgebaut wurden. Diese Gemeinden haben weiterhin Bürgermeister und offiziell liegt auch die Adresse des Mémorial in Fleury. So wird die Erinnerung an das Dorf, welches im Krieg „für Frankreich gefallen“ ist, wachgehalten.

Bei der Besichtigung des „Fort Douaumont“, einer französischen Festungsanlage, die während der Schlacht von Verdun auch unter deutscher Kontrolle stand, gab es ähnlich zum Mémorial sehr Verschiedenes zu lernen. Neben Informationen zur Schlacht selbst und der grundsätzlichen Funktion eines Forts beziehungsweise der technischen Veränderungen zum Schutz vor neuen Entwicklungen wie Giftgas oder immer stärkeren Geschossen konnte man aus erster Hand erfahren, wie sich der Aufenthalt im schummrig beleuchteten und nassen Fort mehrere Meter unter der Erde angefühlt haben muss.

Nachdem wir wieder an die Oberfläche zurückgekehrt waren, besichtigten wir das Beinhaus von Douaumont. Dieses durch internationale Spenden finanzierte Denkmal schenkt den ca. 130.000 nicht mehr identifizierbaren Toten der Schlacht eine Ruhestätte. In einem großen ruhigen Saal über den Gebeinkammern sind einige, seit 2014 auch deutsche, Namen vermisster Soldaten des Ersten Weltkriegs zur Erinnerung verewigt. Vor dem Beinhaus befindet sich ein Friedhof mit 16.142 Gräbern französischer Soldaten.

Als letzte Station unserer Reise besuchten wir erst den deutschen Soldatenfriedhof in Hautcourt. Auch hier gibt es neben den üblichen Kreuzen auch Stelen, die als Erinnerung für nicht christliche Gefallene dienen. Der französische Friedhof umfasst außerdem Stätten und Symbole verschiedener Religionen, um zu zeigen, dass alle Soldaten gleichwertig sind. Auf dem deutschen Soldatenfriedhof fand aus Respekt auch eine Kranzniederlegung durch unsere Schülervertreter statt.

Eine der wohl interessantesten Erkenntnisse dieser Fahrt waren die starken Kontraste zwischen deutscher und französischer Erinnerungskultur. Während die Weltkriege bei uns erst in der Mittelstufe zur Sprache kommen, werden die französischen Schüler und Schülerinnen bereits in der Grundschule damit konfrontiert. Dadurch ist auch ein auf uns makaber wirkender Umgang, wie das Verkaufen von Kriegscomics oder einem Monopolyspiel zum Thema Erster Weltkrieg im Mémorial dort völlig akzeptabel.

Wir danken Herrn Baus und Herrn Köppl für ihr Engagement und ihrer fachkundigen Expertise.

Unser Dank gilt auch dem Pädagogischen Landesinstitut, der Stiftung „Gedenken und Frieden“ sowie dem Förderverein unserer Schule für ihre finanzielle Unterstützung.

Bericht: Ben Laufs, Jgst. 12